Paraguay: Kleinbauernsprecher Tomas Zahyas bedroht und kriminalisiert

[img_assist|nid=162|title=|desc=|link=node|align=left|width=118|height=150]Gut eine Woche vor den Wahlen in Paraguay nehmen die Repressalien der GroßgrundbesitzerInnen und der Regierung gegen die Kleinbauernorganisationen zu. Die Kleinbauern stellen die stärkste und sichtbarste Opposition gegen das seit 60 Jahren herrschende Colorado-Regime dar.
Siehe auch den Brief ds Nobelpreisträgers Martin Almada

Gegen Tomas Zayas, Sprecher der Kleinbauernorganisation ASAGRAPA, läuft seit dem 3. März ein Haftbefehl wegen Mordes und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Laut Anklage, die auf einer Anzeige von GroßgrundbesitzerInnen aufbaut, soll Zayas an besagtem Tag in Alto Paraná einen Mord begangen haben, befand sich jedoch zur fraglichen Zeit in einer Sitzung mit weiteren BauernsprecherInnen in Paraguays Hauptstadt Asunción.

Zayas befürchtet, dass er im Falle einer Verhaftung im Gefängnis ermordet werden könnte und betonte im Gespräch mit Pulsar/Poonal, dass er wahrscheinlich untertauchen müsse. Die Gründe für die fingierte Anklage liegen laut Zayas im Widerstand der örtlichen Bauerngemeinden gegen die Soja-Monokultur-Latifundien in der Region, die sich seit Jahren von Brasilien her ins Land fräßen und sich zum Großteil in brasilianischem Besitz befänden.

Die Proteste der betroffenen Bauerngemeinden sind so stark, dass derzeit in einigen Departements die Sojaernte unter Polizeischutz eingefahren werden muss. Zayas kandidiert zudem im Namen der Arbeiterpartei für den Senat und hat angekündigt, dass er im Falle seiner nicht unwahrscheinlichen Wahl aus dem Kongress heraus gegen die GroßgrundbesitzerInnen kämpfen werde.

Der paraguayische Staat fördert die Soja-Monokulturen nach Kräften. Während zur Zeit der Strössner-Diktatur der Exportzoll für Agrarprodukte noch bei zwölf Prozent lag, ist dieser Satz seither kontinuierlich gesunken und von der Regierung Nicanor Duarte Frutos komplett abgeschafft worden. Zum Vergleich: In Argentinien versucht die Regierung Kirchner derzeit, einen Steuersatz von über 40 Prozent durchzusetzen.
Gleichzeitig hat Noch-Präsident Duarte Frutos die Militarisierung
Paraguays und die Kriminalisierung protestierender Bauerngemeinden vorangetrieben.

Die Soja-Wirtschaft hat verheerende Folgen für das Sozialgefüge und die Umwelt Paraguays. Riesige Waldflächen sind in den letzten 20 Jahren abgeholzt worden, der massive Pestizideinsatz vergiftet ganze Landstriche und macht auch vor den Bauerngemeinden nicht halt. Pestizide würden sogar gezielt auf die Menschen gesprüht, so der Vorwurf der Gemeinden. Gegen dieses Agroexportmodell zum Nutzen sehr weniger und die Militarisierung macht sich zunehmend Widerstand breit. Angesichts einer drohenden Niederlage der herrschenden Colorado-Partei bei den Wahlen am 20. April nimmt die Repression gegen die opponierenden Bauernorganisationen zu.

Von Markus Plate. Asunción, 8. April 2008, npl

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